Der letzte Teil der dreiteiligen Blogreihe zum Thema Blogreihe zum Thema Tokenisierung von Vermögenswerten beschreibt das kaum verbreitete Phänomen der Private Equity Tokenisierung. Der erste Beitrag hat in die komplexe Dynamik von Security Token Offerings (STOs) und die Blockchain-Technologie eingeführt. Der zweite Beitrag widmete sich konkreten Umsetzungsbeispielen und Nutzungsmöglichkeiten einer dedizierten Anlageform und legte den Fokus auf die Tokenisierung von Immobilien und Immobilienprojekten. Dieser letzte Beitrag beschreibt die Möglichkeit sowohl Private Equity als auch Venture Capital Funds für Kleinanleger und private Investoren zu öffnen und somit eine neue Anlagekategorie zu erschaffen: handelbare Anlagegüter im Private Equity und Venture Capital Umfeld – in anderen Worten – die Möglichkeit von den Vorteilen von Private Equity Investments zu profitieren, ohne das Risiko der langen Halteperiode tragen zu müssen. Das für die nachfolgenden Ausführungen erforderliche Grundlagenwissen kann ideal über das Lesen des ersten Beitrags erfolgen: Die Tokenisierung von Vermögensanlagen – Was sind Tokens und wie funktionieren sie?

Private Equity und Venture Capital Investments

Aus dem Englischen übersetzt, steht der Begriff Private Equity für privates Beteiligungskapital. Demnach wird im Zuge von Private Equity Investments mit Geldern investiert, welche nicht öffentlich zugänglich und somit im wirtschaftlichen Sinne gesprochen privat sind. Öffentliche Gelder (Public Capital) wäre somit Kapital, welches aus der Öffentlichkeit in ein Unternehmen fließen würde – wie z.B. bei Aktiengesellschaften durch deren Aktionäre. Da Private Equity Unternehmen zumeist versuchen in Firmen zu investieren, welche jedes Jahr einen stabilen Cashflow generieren, können Investments dieser Art oft hohe Summen erfordern. Dies führt dazu, dass die typischen Kapitalgeber eines Private Equity Fonds vermögende Privatpersonen oder institutionelle Anleger wie beispielsweise Banken, Versicherungen, Renten Fonds oder Family Offices sind. Das aktive Fonmanagement durch die Private Equity Gesellschaften sowie das Investieren in unterschiedliche Unternehmen (Diversifizierung des Fonds) machen Private Equity Investments zu einem der bevorzugten Vehikel für Großinvestoren. Allein die lange Halteperioden, zwischen 3 und 10 Jahren je nach Fond, erhöhen das Risiko dieses Investments erheblich. Dieses Risiko wurde in der Vergangenheit zumeist von den überdurchschnittlich hohen Renditen aufgewogen.

Venture Capital Unternehmen investieren in einer ähnlichen Art und Weise, jedoch liegt der Investmentfokus bei diesen Unternehmen vorwiegend auf schnell wachsende Start-ups. Da der Erfolg des Unternehmens zum Zeitpunkt des Investments noch ungewiss ist, müssen Venture Capital Investoren mit einem erheblich erhöhten Risiko rechnen, werden jedoch durch signifikant höhere potenzielle Gewinne entschädigt. Beide Anlageklassen teilen gewisse Vorteile, Nachteile und Charakteristika. Ähnlich wie Immobilieninvestments, sind klassische Venture Capital und Private Equity Investments für Kleinanleger nahezu unerreichbar. Zusätzlich weisen diese Investments für den Kleinanleger ein erhöhtes Risiko auf, da dieser nicht in der Lager wäre sein Investment frühzeitig zu veräußern, um Verluste zu vermeiden.

Bereits heute gibt es gewisse Konzepte, welche sowohl den Private Equity als auch den Venture Capital Markt für Kleinanleger zu öffnen versuchen. Um die Vorteile einer Tokenisierung der oben beschriebenen Geschäftsmodelle zu verstehen wird dieser Beitrag einen kurzen Exkurs zu den Geschäftsmodellen von Companisto und Moonfare beinhalten.

Laut eigener Aussage (FAQs) beschreibt sich Companisto wie folgt: „Companisto ist eine professionelle Investment-Plattform, die Investitionen in Startups und Wachstumsunternehmen ermöglicht. Bei diesen Investitionen schließen sich mehrere Investoren zusammen, um sich gemeinsam an einem Unternehmen zu beteiligen. Companisto übernimmt als Dienstleister die Rolle eines Vermittlers zwischen Unternehmen und Investoren. Die Investoren – auch Companisten genannt – können sich mit einem Betrag ihrer Wahl an einem Unternehmen beteiligen und so gemeinsam das benötigte Kapital aufbringen. Im Gegenzug für ihre Investition erhalten die Companisten eine Beteiligung am Gewinn und an möglichen Erlösen aus einem Verkauf des Startups.“ Schlussendlich tritt dieser Anbieter als Crowdinvesting-Plattform für Kleinanleger auf und erleichtert den Zugang zu Unternehmen und Investmentoptionen. Es existiert jedoch kein Sekundärmarkt für getätigte Investments, was dazu führt, dass das investierte Kapital bis zu einem Verkauf des Startups (welcher nicht zwingend erfolgen muss) gebunden bleibt.

Moonfare bietet ein ähnliches Geschäftsmodell an. Hier wird Investoren die Möglichkeit geboten über eine Plattform in unterschiedliche Private Equity Fonds zu investieren. Ähnlich den Risken eines Investments bei Companisto, wird von Anlegern erwartet, das Investment bis zum Exit zu halten, wodurch sich das Risiko durch Intransparenz und Planungsunsicherheit erhöht. Moonfare bietet Anlegern einen halbjährlichen Sekundärmarkt an. Auf diesem können die gekauften Anlagegüter an andere Investoren veräußert werden (die Sicherheit dieser Investition wird jedoch nicht gewährleistet). Zusätzlich erwartet Moonfare eine vergleichbar hohe Mindesteinzahlung bzw. Mindestinvestition von potenziellen Investoren. Diese liegt derzeit bei 100.000 Euro.

Schlussendlich wird das erhöhte Risiko von Private Equity und Venture Capital Investments vor allem durch die lange Haltedauer und die damit verbundene Intransparenz und Unsicherheit begründet – in anderen Worten – das Risiko von Private Equity und Venture Capital Investments liegt in der mangelnden Fungibilität der Anlagegüter. Betrachtet man nun die Ausführungen des ersten Beitrags „Die Tokenisierung von Vermögensanlagen – Was sind Tokens und wie funktionieren sie?“, in welcher wir die unterschiedlichen Arten der Tokens erläutert haben sowie die Beschreibung der Security Tokens im zweiten Blogeintrag „Die Tokenisierung von Vermögensanlagen – Tokenisierung von Immobilien und Immobilienprojekten“, können wir schließen, dass die Fungibilität von Security Tokens das Risiko von Private Equity und Venture Capital Investments erheblich reduziert. Betrachtet man die Beschaffenheit von Security Tokens im Hinblick auf die Risiken von Private Equity und Venture Capital Investments, löst ein Security Token zeitgleich nicht nur die Probleme der Unerreichbarkeit für Kleinanleger, sondern auch das Risiko der mangelnden Planbarkeit für etwaige weitere Investoren.

Die Vorteile, welche eine Tokenisierung von Private Equity und Venture Capital Fonds für die potenziellen Investoren bieten können, wurden durch die Ausführungen dieser Blogreihe hinreichend aufgeschlüsselt, wobei beachtet werden muss, dass Investoren (vor allem Kleinanleger) über die Vorteile eines solchen Investments aufgeklärt werden müssen.

Mögliche Struktur eines STOs im Private Equity / Venture Capital Kontext

Die nachfolgende Abbildung zeigt eine der Möglichkeiten zur Integration des STO-Konzepts (Security Token Offerings) in die Praxis der Private-Equity und Venture Capital Finanzierung. Bei dieser Variante würde die Private-Equity- oder Venture-Capital-Gesellschaft nach wie vor mit ihren derzeitigen Partnern, die sich über LPs (Limited Partnerships) an den Investitionen beteiligen, Gelder auf dem traditionellen Weg beschaffen. Allerdings würde das Vehikel zusätzlich zum klassischen Funding, Security Tokens emittieren, in die Kleinanleger investieren und an den Gewinnen aus der Investition teilhaben können. Auf diese Weise würden die Anleger in das gesamte diversifizierte Portfolio investieren und der Private-Equity- oder Venture Capital Fonds würde zusätzliche Gelder einnehmen. Anlegen können somit an den klassischen Vorteilen von Private Equity und Venture Capital partizipieren, während sich die Halteperiode flexibel ausgestalten lässt.

Abbildung 1: STO Investment in das PE/VC Vehikel

Die zweite Abbildung zeigt die zweite Möglichkeit, das STO-Konzept in die Praxis der Kapitalbeschaffung durch Private Equity und Venture Capital zu integrieren. Bei dieser zweiten Variante würden die Private-Equity- oder Venture-Capital-Gesellschaften ihre derzeitigen Prozesse zur Kapitalbeschaffung auf Fondsbasis nicht ändern und keine Wertpapier-Token über ihre Investitionsvehikel emittieren, sondern die einzelnen Portfoliounternehmen mit Token versehen, um bei Bedarf zusätzliche Mittel in diese Unternehmen zu investieren. Die Investoren würden von allen Vorteilen profitieren mit einer Ausnahme: Sie würden in einzelne Portfoliounternehmen investieren und nicht in das diversifizierte Portfolio des Fonds. Dies würde mehr Arbeit für den Anleger bedeuten, da er mehrere Portfoliounternehmen-Token auswählen müsste, um ein gut diversifiziertes Portfolio zu erhalten. Das gut diversifizierte Portfolio würde hingegen bereits von der Private-Equity- oder Risikokapitalgesellschaft erstellt, somit wäre Option 1 die bessere Wahl für Anleger.

Abbildung 2: STO Investment in das PE/VC Portfolio Unternehmen

Es ist davon auszugehen, dass sich der Private-Equity-Fonds für die erste Variante entscheiden würde, da die zweite Variante einen höheren Rechts- und Verwaltungsaufwand sowohl in Bezug auf Kapital als auch auf Zeit erfordert. Die erste Variante wäre auch für die Anleger angenehmer, da schlecht laufende Portfoliounternehmen dann automatisch durch bessere diversifiziert würden und der Anleger nur die Leistung des gesamten Fonds überwachen müsste, anstatt einzelne Portfoliounternehmen zu kontrollieren.

Die unterschiedlichen Geschäftsmodelle und Möglichkeiten, welche in dieser dreiteiligen Blogreihe beschrieben wurden, werden in der Praxis bisher nur sporadisch umgesetzt. Dennoch ist von einer Erweiterung der Marktanteile dieser Geschäftsmodelle in ihrem jeweiligen Heimatmarkt auszugehen.

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Markus Fost, MBA, ist Experte für E-Commerce, Online Geschäftsmodelle und Digitale Transformation mit einer breiten Erfahrung in den Feldern Strategie, Organisation, Corporate Finance und der operativen Restrukturierung.

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Markus Fost

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Antonio Adriano Lucà, MLB, hat sowohl aus einer beratenden Perspektive im Transaction Advisory und im Investmentbanking als auch aus einer Investorenperspektive wertvolle Erfahrungen mit M&A-Transaktionen sammeln können.

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Antonio Adriano Lucà

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Antonio Adriano Lucà, MLB, hat sowohl aus einer beratenden Perspektive im Transaction Advisory und im Investmentbanking als auch aus einer Investorenperspektive wertvolle Erfahrungen mit M&A-Transaktionen sammeln können.

Das im Rahmen der „Verpackungsmission“ von Amazon ins Leben gerufene Leben gerufene Frustration-Free-Packaging (FFP) Programm ermöglicht die Einstufung von Produktverpackungen in drei verschiedene Zertifizierungslevel mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Während das höchste Level „Frustration-Free-Packing (FFP)“ (Tier 1) das Ziel verfolgt, Kundenerlebnis maßgeblich zu steigern und gleichzeitig Nachhaltigkeit sicherzustellen, fokussiert sich die Zertifizierungsstufe „Ship-in-own-container (SIOC)“ (Tier 2) auf die Reduktion von Abfall. Der zweite Beitrag der zweiteiligen Blogreihe zu „Amazon Frustration-Free-Packaging“ geht auf Zertifizierungsanforderungen ein und erläutert Schritte zur Implementierung der Zertifizierungen bei Herstellern.

Zertifizierungsanforderungen von Amazon

Die Anforderungen von Amazon zur Zertifizierung von Produktverpackungen sind umfangreich und richten sich nach den jeweiligen Zertifizierungsstufen. Sie umfassen unter anderem Angaben zum Aufbau der Verpackung, Umgang mit gefährlichen Produkten und dem zu verwendenden Material.

Für alle Zertifizierungsstufen (Tier 1 bis Tier 3) schreibt Amazon vor, dass Produktverpackungen stets sechseckig und rechteckig sein müssen. Ziel ist es, Pakete möglichst einfach stapeln und im Paketzustellnetz transportieren zu können. Alle Paketformen müssen zudem durch die ISTA 6-Amazon.com Testmethode validiert werden, bevor sie zum Einsatz kommen dürfen, und es muss sichergestellt werden, dass alle offenen Kanten ausreichend versiegelt sind. Stringent ist Amazon ebenfalls in den Vorgaben zu den Mindestmaßen. Zertifizierungen von Verpackungen nach Tier 1 (FFP) oder Tier 2 (SIOC) müssen mindestens 203,2 mm lang, 119,9 mm breit und 9,5 mm hoch sein. Kleinere Produktverpackungen können nur auf Basis von Tier 3 (PFP) zertifiziert werden, da sie zum Schutz des Produktes einen Umkarton von Amazon erfordern.

Während die eben genannten Anforderungen den Fokus auf ein leichteres Handling von Paketen im Amazon Fulfillment Center abzielen, möchte Amazon aber auch ein positives Kundenerlebnis sicherstellen. Daher müssen sich nach Tier 1 (FFP) zertifizierte Produktverpackungen innerhalb von 120 Sekunden vollständig öffnen lassen – und dies bei nur minimalem Einsatz von Hilfsmitteln wie Schere oder Kartonschneider.

Abbildung 1: Zertifizierungsanforderungen Teil 1

Eine weitere Anforderung an alle Zertifizierungsstufen ist die eindeutige Verpackungskennzeichnung und Etikettierung auf dem Paket mit allen erforderlichen Handlungshinweisen. Produkte, die als gefährlich eingestuft werden (HAZMAT) können generell nur auf Basis von Tier 3 (PFP) zertifiziert werden, da hier die Anwendung von zusätzlichem Füllmaterial und eines Umkartons zum Schutz möglich sind. Zur Reduktion von Verpackungsabfall setzt Amazon voraus, dass Tier 1 (FFP) zertifizierte Verpackungen ein Verhältnis von Produkt zu Verpackung von mindestens 30% aufweisen. Ebenfalls zu beachten ist die Anwendung von ausschließlich wiederverwertbaren Materialien, wozu Wellpappe und andere Materialien auf Papierbasis zählen sowie spezifische recycelbare Kunststoffkomponenten.

Abbildung 1: Zertifizierungsanforderungen Teil 2

Amazon hat im Rahmen seiner „Verpackungsmission“ verschiedene Grundsätze festgelegt. Zum einen muss die Verpackung so designt sein, dass keine zusätzliche Umverpackung und damit auch kein Vorbereitungsaufwand im Amazon-Fulfillment-Center erforderlich sind. Gleichzeitig muss gewährleistet werden, dass die Verpackung während der gesamten Lieferkette ausreichend Schutz für das Produkt vor Beschädigungen bietet. Jegliches Verpackungsmaterial muss recycelbar sein, um dem ökologischen Fußabdruck zu senden.

Abbildung 3: Grundsätze der Verpackungsmission von Amazon

Verknüpft man nun die Grundsätze der Verpackungsmission von Amazon mit den Anforderungen and die Zertifizierungsstufen, wird deutlich, dass nur die Tier 1 (FFP) Stufe alle vier Grundsätze erfüllt und sich Tier 2 (SIOC) auf den Produktschutz und die Abfallreduzierung konzentriert.

Abbildung 4: Zusammenfassung der Zertifizierungsanforderungen

Implementierungsschritte für die Zertifizierung

Mit dem Anspruch das kundenzentrierteste Unternehmen der Welt zu sein, überwacht Amazon kontinuierlich Schäden an Produkten zum Schutz einer positiven Kundenerfahrung. Dies spiegelt sich auch in der Komplexität und dem Anspruchslevel an die Zertifizierung von Produktverpackungen wider.

Ausgangslage des Zertifizierungsprozesses sind Artikel bzw. Verpackungen, die bislang noch ungeprüft sind. Hersteller müssen das Verpackungsmaterial in von Amazon akkreditierten Testlaboren nach dem ISTA-6-Amazon.com Testverfahren zertifizieren lassen. Das Testprogramm umfasst Vibrations- und Schocktests zur Simulation von Vibrationen und Schocks auf Ladeflächen verschiedener Transportmittel wie Eisenbahnen, Lastwagen, Schiffe oder Flugzeuge. Fall- und Kipptests sollen vertikalen Stoßbelastungen beim Transport und Tragen der Pakete simulieren. Belastungen von oben bei Transport oder Lagerung werden mit Druckversuchen geprüft und Klimatests dienen der Simulation von klimatischen Auswirkungen auf das Material.

Produktverpackungen, die alle Tests bestehen und damit ein positives Zertifizierungszeugnis erhalten, können mit den zugehörigen ASINs (Amazon Standard Identification Number) über das Vendor Central hinterlegt werden und unterliegen ab sofort keinerlei Chargebacks mehr. Hersteller bzw. Lieferanten können sich bei Nicht-Bestehen der Testverfahren auch Test- und Designunterstützung über das „Amazon Packaging Support and Supplier Network (APASS) holen.

Abbildung 5: Zusammenfassung der Zertifizierungsanforderungen

Mit erfolgreicher Zertifizierung ist der Prozess allerdings nicht abgeschlossen. Amazon überwacht kontinuierlich, ob es zu Produktbeschädigungen kommt, um den Kundenschutz zu wahren und kann die Anwendung einer neuen Verpackung von Herstellern bzw. Lieferanten verlangen.

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Markus Fost, MBA, ist Experte für E-Commerce, Online Geschäftsmodelle und Digitale Transformation mit einer breiten Erfahrung in den Feldern Strategie, Organisation, Corporate Finance und der operativen Restrukturierung.

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Markus Skoda, MBA unterstützt Unternehmen bei der Strategieenwicklung und der operativen Umsetzung mit Fokus auf E-Commerce und Digitalisierung.

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Everydays: the first 5000 Days by Beeple (Mike Winkelmann) –für 69,3 Millionen bei Christies verkauft

„Non-Fungible Tokens“, gemeinhin als NFTs bezeichnet, haben im vergangenen Jahr viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Künstler begannen virtuelle Kunst zu verkaufen und Investoren erzielten immer höhere Renditen (ROI). Der Künstler Beeple (Mike Winkelmann) verkaufte sein Werk „Everydays: the First 5000 Days“ bei Christie’s für 69,3 Millionen Dollar, wobei die Auktion mit einem Anfangsgebot von 100 Dollar startete. Obwohl die Öffentlichkeit erst 2021 auf NFTs aufmerksam wurde, gibt es sie bereits seit Sommer 2015. Derzeit ist der einzige populäre Anwendungsfall von NFTs die Prägung (Minten) von virtueller Kunst. Als disruptive Technologie werden NFTs eine Vielzahl von Industrien mittelfristig nachhaltig verändern.

Was sind NFTs und was können sie?

NFTs sind aus der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie und den damit verbundenen Geschäftsmodellen und Konzepten entstanden. Um die Bandbreite der möglichen Anwendungen von NFTs vollständig zu erfassen, sollte man sich ein Grundwissen über die Blockchain-Technologie, die verschiedenen existierenden Token und ihre jeweiligen Anwendungsfälle und Einschränkungen aneignen.

Bevor der erste NFT auf den Markt kam und einen internationalen Hype auslöste, gab es drei Blockchain-basierte Token mit unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten, Konzepten und Hintergründen. Zu diesen drei verschiedenen Arten gehören sogenannte „Payment Token“, „Utility Token“ und „Security Token“. Entsprechende Definitionen und Erklärungen folgen in den nächsten Abschnitten.

Während eine ausführliche Erklärung der Blockchain-Technologie mit Leichtigkeit Lehrbücher mit weit über 100 Seiten füllen könnte, kann man sich ein fundiertes Basiswissen durch eine weniger voluminöse Definition der Materie aneignen. Nathaniel Popper, ein Journalist der New York Times, hat eine vergleichsweise einfache, aber dennoch wirkungsvolle und richtige Erklärung dafür gefunden, was die Blockchain eigentlich ist. Im Wesentlichen ist die Blockchain eine hochtechnische Datenbank, die sich als Lösung für die sichere Speicherung digitaler Informationsbündel durchgesetzt hat – sicherer als bisher möglich. Der Name Blockchain kann wörtlich genommen werden, da alle in die „Datenbank“ integrierten Informationen in einzelnen Blöcken gruppiert und dann in einem sogenannten Ledger verkettet werden. Die Blockchain-Ledger sind öffentlich und werden folglich als Public Ledger bezeichnet. Die im Public Ledger gespeicherten Transaktionen sind für die Öffentlichkeit transparent, was den Hauptunterschied zwischen der Blockchain und anderen digitalen Datenbanken darstellt. Transaktionen werden auf der Blockchain für die Ewigkeit gespeichert, sie können nicht geändert oder gelöscht werden und können von jedem Nutzer jederzeit und überall eingesehen werden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Blockchain eine Datenbank ist, die aus dem Public Ledger besteht, in dem alle Transaktionen innerhalb des Ökosystems in Form von Blöcken gespeichert werden, sobald sie von den designierten Nutzern oder Netzwerkteilnehmern überprüft wurden.

Der erste Token ist der so genannte Payment Token. Ein Payment Token ist selbsterklärend, da er als einfaches Zahlungsmittel verwendet werden kann und mit jeder traditionellen Fiat-Währung wie dem USD oder dem Euro austauschbar ist. Der Payment Token fällt nicht in die Kategorie der Wertpapiere, da es sich nicht um eine Anlage handelt. Die berühmtesten Beispiele für Payment Token sind Bitcoin oder Ethereum, die beiden wichtigsten Kryptowährungen, die sich bis heute etabliert haben.

Der zweite Token ist der sogenannte Utility Token. Grundsätzlich gibt ein Utility Token dem Inhaber das Recht, ein Produkt oder eine Dienstleistung von dem ausgebenden Unternehmen zu erhalten. Utility Token sind eine Form der Übertragung von Genussrechten nach deutschem Recht. Ein klassisches Beispiel für ein Utility Token-Angebot ist Cloud-Speicherplatz bei Einlösung des Tokens. Es gibt keine Höchstmenge an Utility Token die von einem Unternehmen ausgegeben werden kann, daher wird der Preis der Token durch die Angebots-Nachfrage-Kurve reguliert (Mitra, 2019).

Der dritte traditionelle Token ist der Security Token, auch bekannt als Asset-Backed Token. Dieser Token kann durch die Durchführung des sogenannten Howey-Tests identifiziert werden. Der Howey-Test bildet den Rahmen für die Entscheidung, ob ein bestimmter Vermögenswert als Wertpapier im Sinne des Gesetzes gilt und führt somit zu einer Unterscheidung zwischen den verschiedenen Token-Typen. Nach dem Howey-Test liegt ein Wertpapier vor, wenn der Vermögenswert eine Investition in eine Unternehmung darstellt, welche von einer anderen Person geführt wird. Es ist wichtig an dieser Stelle festzuhalten, dass ein Token, der als Security Token eingestuft wird, rechtlich als Wertpapier behandelt wird und daher den entsprechenden Vorschriften unterliegt. Security Token zielen darauf ab, Gewinne aus der Arbeit anderer zu erzielen. Beliebte Beispiele für diese Art von Token sind die in anderen Blogbeiträgen von FOSTEC & Company erwähnten Immobilieninvestitionen oder Investitionen in Private Equity- und Risikokapitalfonds (Mitra, 2019).

NFTs wurden ursprünglich im Jahr 2014 entwickelt, wobei der erste non-fungible Token im Sommer 2015 eingeführt wurde. Nichtsdestotrotz begann die breite Öffentlichkeit im Jahr 2021 das volle Potenzial von NFTs zu erfassen. Auf Makroebene sind NFTs Teil der Ethereum-Blockchain (in der Vergangenheit gab es NFTs auf Bitcoin-Basis). NFTs werden als nicht fungibel eingestuft, da sie einzigartig sind (ein einzigartiges Token auf der Ethereum-Blockchain) und nicht untereinander ausgetauscht werden können. Auch wenn die virtuelle Datei, mit der im NFT enthaltenen Kunst beliebig oft kopiert werden kann, bietet der NFT einen Aspekt, der nicht kopiert werden kann: den Nachweis des Eigentums an einem Werk (obwohl der Urheber weiterhin die Urheber- und Vervielfältigungsrechte behält). Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass NFTs nicht auf Kunst beschränkt sind, sondern für die Tokenisierung (oder Minting) beliebiger digitaler Vermögenswerte verwendet werden können und die Eigentumsrechte auf der Blockchain aufgezeichnet werden. Weitere Anwendungsbeispiele liegen in der Verbindung von NFTs mit Objekten in der realen Welt. Nike arbeitet in diesem Bereich an einer Kampagne und hat im Zuge dessen bereits ein Patent für eine Methode zur Überprüfung der Echtheit ihrer Sneaker mithilfe eines NFT-Systems angemeldet. Das Projekt hat den Namen „CryptoKicks“ erhalten. Das Hauptpotenzial für Disruptionen liegt in der Verbindung von NFTs mit realen Objekten, Ereignissen und Dienstleistungen, wodurch die reale und die digitale Welt nahtlos ineinander übergehen.

Abbildung 1: NFT-Ökosystem und aktuelles Marktumfeld

Die meisten Branchen, die große digitale Transformationspotenziale für und durch NFTs bieten, gehören zu einer Gruppe von Branchen mit Digitalisierungsrückstand. Zu diesen Branchen gehören die Immobilienwirtschaft, die Medizinbranche, die Event- und Ticketing Branche sowie die Lebensmittelbranche.

Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft

Der bürokratische Aufwand, der im Zusammenhang mit Immobilientransaktionen entsteht, bürdet dem Käufer, dem Verkäufer und einer Vielzahl von Behörden in der Regel zeitraubende manuelle Arbeiten auf. Die Digitalisierung der Immobilienbranche werden die Arbeitszeiten und Transaktionskosten maßgeblich reduzieren.

Es ist zu erwarten, dass nicht-fungible Token in den kommenden Jahren mehrere manuelle Prozesse erleichtern werden. NFTs werden es ermöglichen, den Eigentumsnachweis auf digitalem Wege zu erbringen. NFTs greifen auf intelligente Verträge zurück, um die Übertragung von Eigentum von einer juristischen Person auf eine andere zu erleichtern. Mithilfe von Smart Contracts könnten Immobilien ohne Notar übertragen werden. Darüber hinaus beinhalten NFTs in der Regel automatische Zahlungen, die es dem Verkäufer ermöglichen bis zum vollautomatischen Erhalt des gesamten Zahlungsbetrags die Kontrolle über die Immobilie zu behalten. Der Public Ledger der Ethereum-Blockchain würde auch die Arbeit der Regierungsbeamten erleichtern, die den Eigentumswechsel im Grundbuch eintragen.

Der Public Ledger würde es auch ermöglichen, historische Informationen über die Immobilie sicher zu speichern. Diese Informationen wären dann öffentlich zugänglich und könnten nicht verändert werden. Folglich könnten sowohl Käufer als auch Mieter die größtmögliche Menge an Informationen sammeln, bevor sie sich für den Einzug oder den Kauf der Immobilie entscheiden.

Tokenisierung von Krankenakten

Ärzte und medizinische Kliniken sind gesetzlich dazu verpflichtet, personenbezogene Daten sowie medizinische Unterlagen zehn Jahre lang aufzubewahren, Aufzeichnungen über bestimmte Behandlungen und Informationen über Röntgenaufnahmen müssen dreißig Jahre lang gespeichert werden. Die Übertragung von Krankenakten von einer Behandlungseinrichtung zu einer anderen führt häufig zu manuellem Aufwand für das Verwaltungspersonal der Kliniken und zu Verzögerungen.

NFTs könnten dazu verwendet werden, persönliche Daten von Patienten sowie ihre medizinischen Unterlagen weit über die vorgeschriebene zehnjährige Aufbewahrungsfrist hinaus sicher zu speichern, ohne die Vertraulichkeit der Patienten zu gefährden. Auch Geburtsurkunden könnten als NFTs gespeichert werden, was die Aufbewahrung des Dokuments gewährleisten würde (und es den Behörden ermöglicht Obdachlose leichter zu identifizieren).

Ähnliche Anwendungsfälle wären für die sichere Speicherung von akademischen Zeugnissen, geistigem Eigentum und Patenten denkbar, ohne dass die Gefahr des Betrugs oder der Veränderung der Dokumente und Zeugnisse besteht.

Nachverfolgung von Waren in der Supply Chain

Viele andere Branchen verlangen ein hohes Maß an Transparenz in ihren Lieferketten, dies gilt insbesondere für Luxusgüter. NFTs verfügen über die erforderlichen Fähigkeiten, um Herstellern die Möglichkeit zu geben, ihre versandten Waren über alle Stufen der Lieferkette hinweg zu verfolgen.

Im Wesentlichen funktioniert der NFT ähnlich wie eine ewige Kontrollnummer. Das Unternehmen erstellt eine digitale Darstellung des Vermögenswerts auf der Blockchain, die dann dazu dient, alle Informationen über das Produkt sicher zu speichern, einschließlich seiner Herkunft, Transportinformationen sowie Vorbesitzer und Verkäufe (die NFT kann auch Informationen über Verkaufspreise von vergangenen Transaktionen enthalten).

Der Programmierer kann auch eine automatische Rückvergütung oder Lizenzgebühr an den Hersteller oder Erstverkäufer der Waren einbauen, was zu laufenden Einnahmen aus physischen Waren führen kann. Darüber hinaus dient das NFT als Methode zur Produktauthentifizierung und kann Informationen über Reparaturen, Aufarbeitung und Restaurierung speichern.

Die Verfolgung von Waren entlang der Lieferkette wird es auch Unternehmen im Lebensmittelsektor ermöglichen, die genaue Position ihrer Waren zu kennen.

Revolution der Event- und Ticketingbranche

Physische Tickets könnten tokenisiert und gemintet werden, um auf der Ethereum-Blockchain vertreten zu sein. Dies hätte eine Reihe von Vorteilen, wie z. B. die Sicherstellung der Echtheit von Tickets und die Reduzierung der auf dem Schwarzmarkt verkauften und gehandelten Tickets. Heutzutage sind Tickets meist nicht übertragbar, sodass Wiederverkäufer ihre Tickets auf dem Schwarzmarkt vertreiben müssen. Der Veranstalter hat somit keine Kenntnis von den persönlichen Daten bestimmter Personen, was ein erhebliches Sicherheitsproblem darstellt.

Außerdem kann der Veranstalter von den Weiterverkaufsaktivitäten der Ticketbesitzer profitieren, da der Code eine Kickback- und Lizenzgebührenfunktion für alle zusätzlichen Übertragungen enthalten kann. Darüber hinaus können die tokenisierten Tickets verwendet werden, um das Kaufverhalten der Gäste während der Veranstaltung zu verfolgen. Dies ermöglicht es dem Veranstalter, digitale Marketing- und Retargetingaktivitäten auf die einzelnen Ticketbesitzer zuzuschneiden und letztlich zusätzliche dauerhafte Einnahmen zu generieren und weiteres Wachstum zu erzeugen.

Veranstaltungstickets werden oft von Einzelpersonen gesammelt, entweder weil sie besonders selten sind (Michael Jordans letztes Profispiel), wegen des Designs (Kunstwerke auf Tickets) oder als Erinnerungsstücke. NFTs als Ticketersatz ermöglichen die Aufbewahrung und den Wiederverkauf alter Tickets für einen unbestimmten Zeitraum.

Während es in vielen dieser Branchen bereits E-Commerce-Verticals gibt, werden NFTs zusätzliche Möglichkeiten für E-Commerce-Aktivitäten in diesen Branchen schaffen. Im zweiten Teil dieser Blogserie werden wir die E-Commerce-Möglichkeiten und -Aktivitäten im Detail untersuchen.

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Markus Fost, MBA, ist Experte für E-Commerce, Online Geschäftsmodelle und Digitale Transformation mit einer breiten Erfahrung in den Feldern Strategie, Organisation, Corporate Finance und der operativen Restrukturierung.

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Markus Fost

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Markus Fost, MBA, ist Experte für E-Commerce, Online Geschäftsmodelle und Digitale Transformation mit einer breiten Erfahrung in den Feldern Strategie, Organisation, Corporate Finance und der operativen Restrukturierung.

Antonio Adriano Lucà, MLB, hat sowohl aus einer beratenden Perspektive im Transaction Advisory und im Investmentbanking als auch aus einer Investorenperspektive wertvolle Erfahrungen mit M&A-Transaktionen sammeln können.

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Antonio Adriano Lucà

Consultant
Antonio Adriano Lucà, MLB, hat sowohl aus einer beratenden Perspektive im Transaction Advisory und im Investmentbanking als auch aus einer Investorenperspektive wertvolle Erfahrungen mit M&A-Transaktionen sammeln können.

Seit dem Jahr 2020 hält die Coronapandemie die gesamte Welt in Atem und flächendeckende Lockdowns wurden von nationalen Regierungen ausgerufen. Die Wirtschaft musste sich in Rekordzeit an die neuen Gegebenheiten anpassen und Lösungen zum weiteren Betrieb finden. Der Großteil der Bevölkerung arbeitet seitdem im Home-Office und ist nur selten vor Ort im Unternehmen. Damit diese Umstellung funktioniert, mussten die Unternehmen schnellstmöglich digitale Lösungen finden und durch die rasche Implementierung neuer Softwarelösungen die Kommunikations- und Unternehmensprozesse unter Zeitdruck digitalisieren. Dabei wirkte die Coronapandemie wie ein Trendbeschleuniger der Digitalisierung. Im Zuge dieser zunehmenden Beschleunigung der Digitalisierung stellt sich die Frage, wie die Beratungsbranche auf diesen Trend reagiert. Das Geschäftsmodell der Unternehmensberatungen ist bisher in vielen Fällen noch nicht auf Digitalisierung ausgerichtet. Die Arbeit ist oftmals sehr personalintensiv und abgesehen von einigen spezialisierten Beratungen ist die Digitalisierung nicht vollumfänglich integrierter Teil der Beratungsleistung.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich die Beratungsbranche in den nächsten Jahren verändert. Im Folgenden wird dies diskutiert und ein mögliches Zielbild im Jahr 2025 erläutert.

Krisen können das Wachstum der Beratungsbranche nicht stoppen

Die Beratungsunternehmen wachsen seit Jahren relativ konstant um etwa 5% jährlich. Diese Entwicklung ist in Abbildung 2 zu sehen und verdeutlicht die zunehmende Umsatzstärke der Unternehmensberatungen. Auch wenn Corona bedingt das Jahr 2020 relativ schwächer abschließt als das Jahr 2019, könnte eine ähnliche Entwicklung zu erwarten sein, wie es nach der Finanzkrise der Fall war. Nach einem kurzen auf ein Jahr beschränkten Abfall ging der Aufwärtstrend damals ungebremst weiter.

Abbildung 1: Umsatz der deutschen Consultingbranche zwischen 2001 und 2020

Allerdings sind die Aussichten nicht unbedingt ausschließlich positiv zu bewerten, denn es gibt einige Herausforderungen, die die Unternehmensberatungen bewältigen müssen, um weiterhin erfolgreich zu bleiben. In einer Umfrage im Jahr 2020 (vgl. Abbildung 2) wurden diese für die Consultingbranche identifiziert. Die genannten Herausforderungen reichen von internen Problemstellungen, über kundenbezogene bis hin zu makroökonomischen Entwicklungen, wie z.B. neuen Regularien, die die Unternehmensberatungen beachten müssen. Dabei beruht der Großteil dieser Herausforderungen auf Entwicklungen, die seit Jahren an Bedeutung gewinnen und durch die Coronapandemie nochmals verstärkt wurden.

So ist der zunehmende Preisdruck für Beratungsdienstleistungen nicht neu, wird aber vor allem durch einen Faktor beeinflusst: Immer mehr Ex-Berater sind auf dem Arbeitsmarkt verfügbar. Diese Entwicklung trägt maßgeblich dazu bei, dass in immer mehr Unternehmen eine Vielzahl an Ex-Beratern in den Strategieabteilungen beschäftigt sind. Dadurch, dass diese die Beratungsbranche und damit auch die Methoden der Berater sehr gut kennen, können sie besser einschätzen, was ein fairer Preis für ein bestimmtes Projekt ist und besser in Preisverhandlungen argumentieren.

Abbildung 2: Führende geschäftliche Herausforderungen für Beratungsunternehmen weltweit im Jahr 2020

Diese Tatsache führt dazu, dass die Kunden die Art und Weise, wie sie die Dienstleistungen einkaufen, ändern, was eine weitere Herausforderung für Beratungsunternehmen darstellt. Durch die zunehmende Digitalisierung, verändert sich das Marktumfeld schneller und deshalb können Unternehmensberater nicht mehr wie früher langfristig orientierte Strategien erstellen und dem Kunden verkaufen. Der Kunde ist vielmehr daran interessiert, eine langfristige Bindung mit den Beratern einzugehen, um auch bei der Implementierung der Strategie unterstützt zu werden.

Ebenso machen sich etablierte Beratungsunternehmen über den zunehmenden Wettbewerb durch neue Akteure im Markt Sorgen, die ihnen das Leben deutlich erschweren. Die Branchen werden immer komplexer und erfordern ein erhöhtes Maß an branchenspezifischer Expertise zur Problemlösung für den Kunden. Besonders spezialisierte Unternehmen können daher beim Kunden punkten und den großen, breit aufgestellten Beratungen Projekte streitig machen. Zusätzlich erlaubt es der technologische Fortschritt immer mehr Prozesse mithilfe von Tools und Software zu automatisieren.  Beispielsweise können bereits heute durch einen digitalen AI-Assistenten wie AskBrain Übersetzungs- und Research Aufgaben innerhalb von Minuten vollautomatisch und systemintegriert erledigt werden. Diese Entwicklungen verringern das Spektrum der Leistungen, für die Kunden Berater ins Unternehmen bestellen.

Die Überlagerung all dieser Aspekte führt zu der größten Herausforderung: Der Bedarf an neuen Kompetenzen. Die Entwicklungen in der Wirtschaft und vor allem die zunehmende Digitalisierung erfordern neue Fähigkeiten, die bisher nur nebensächlich waren – ein sogenanntes „nice-to-have“. Jetzt hängt allerdings der Erfolg der Unternehmen davon ab Kompetenzen in neuen Geschäftsfeldern aufzubauen, weshalb die Beratungen schnellstmöglich handeln müssen.

Mehrwert wird in 2025 durch digitale und agile Beratungsleistungen geschaffen

Die Beratungsbranche ist derzeitig einer Vielzahl an Herausforderungen ausgesetzt. Deshalb wird sich die Branche in den nächsten Jahren signifikant anpassen müssen, um den neuen Gegebenheiten gerechter zu werden. Der Wettbewerbsdruck entsteht dabei vor allem durch den technologischen Fortschritt und die sich darauf ergebenden neuen Kundenanforderungen. Dies führt zu einer Vielzahl von neuen Wettbewerbern mit unterschiedlichem Branchenschwerpunkten. Die konkreten Veränderungen, die sich voraussichtlich bis zum Jahr 2025 ergeben werden, lassen sich in verschiedene Bereiche unterteilen (vgl. Abbildung 3) und werden im Folgenden näher beleuchtet.

Abbildung 3: Veränderungen der Consultingbranche bis 2025

Eine agile und hybride Arbeitsweise muss implementiert werden

Eine Folge der Coronapandemie wird ein hybrider Ansatz aus der Arbeit im Office und beim Kunden sein. Es hat sich gezeigt, dass eine durchgehende Anwesenheit vor Ort beim Kunden nicht zwingend notwendig ist und deshalb werden vermehrt nur noch die wichtigsten Absprachen, wie der Projektkickoff, Krisengespräche, etc., vor Ort abgehalten werden. Die restliche Kommunikation wird über Videokommunikationssoftware wie Teams, Zoom, Skype, etc. durchgeführt. Um diese Transformation im Unternehmen umzusetzen sind einige Prinzipen zu beachten. Ersten sollten sich konsequent auf sogenannte High-Impact Areas fokussiert werden und das Stakeholder-Management sowie die IT-Integration im Fokus stehen. Außerdem ist es wichtig bestehende Strukturen nicht außen vor zu lassen. Sie sind die Basis von derzeitigem Erfolg und legen die Grundlage für eine nachhaltige und erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens in eine digitalere und agilere Welt. Wird dieser Weg konsequent gegangen wird damit ein Unternehmen sein volles Marktpotential nutzen und langfristig erfolgreich sein.

Strategien müssen schneller umgesetzt und stärker individualisiert werden

Ebenfalls wird sich der Ablauf von Projekten deutlich verändern und in Richtung der modernen Arbeitsweise angepasst. In der Beratungsbranche wird sich der Trend zu langfristigen Beziehungen zwischen Kunden und Beratungsunternehmen verstärken und die Anzahl an strategischen Partnerschaften wird sich deutlich erhöhen. Diese Entwicklung ist vor allem durch die starke Kommodifizierung der reinen Strategieentwicklung bedingt, die seit längerer Zeit anhält. Diese wird zum einen angetrieben durch die vielen Ex-Berater, die in Strategieabteilungen bei Corporate-Unternehmen aber auch im Mittelstand allokiert sind, zum anderen wird es auch durch die große Verfügbarkeit von Strategiekonzepten im Internet beeinflusst. Letzteres macht den Beratern das Leben schwerer, denn nun können off-the-shelf Lösungen nicht mehr in dem Maße verkauft werden, wie es noch früher möglich war. Kunden erwarten vor allem eins: individualisierte Strategiekonzepte, die genau auf das Unternehmen zugeschnitten sind.

Während in der Vergangenheit oftmals Langzeitstrategien durch Berater erarbeitet wurden, fällt dieser Service fast vollkommen aus dem Leistungsportfolio. Durch die hohe Geschwindigkeit von technologischen Entwicklungen und Trends ist die Lebenszeit von Strategien immens verkürzt worden. Es ist möglich, dass die Strategien mit dem Zeitpunkt der vollständigen Erarbeitung schon obsolet sind. Daher wird der durch enge Zusammenarbeit mit dem Kunden ermöglichte Strategieeinsatz in Echtzeit sehr wichtig für den Erfolg der Projekte. Der neue Fokus auf Zusammenarbeit bedingt auch eine Veränderung in der Kompensationsstruktur. So wird die Entwicklung weg von der zeitbasierten Kompensation, hin zur leistungsbasierten Bezahlung gehen.

Spezialisierung durch Expertenwissen ist essenziell

Die gesamte Consultingbranche wird Veränderungen erfahren, die nicht nur auf die Arbeitsweise und Projektarbeit begrenzt sind. Auch die Marktanteile innerhalb der Branche werden sich verschieben. Außerdem werden sich aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung die Kundenerwartungen verändern, an die sich die Beratungsunternehmen anpassen müssen. Industrien und Branchen werden mit zunehmender Digitalisierung an Komplexität gewinnen, was sich direkt auf die Anforderungen an die Beratungsunternehmen auswirkt. Spezialisierte Beratungen werden starkes Wachstum erfahren und in der Lage sein, Marktanteile abzugreifen, da diese mehr Kompetenzen in ihren jeweiligen Branchen nachweisen können. Generalisten unter den Beratern werden sich dieser Entwicklung hingeben müssen, denn Spezialisten und Experten werden besonders gefragt sein.

Darüber hinaus wird der Bereich, in dem Kunden sich Berater ins Haus bestellen, schmaler werden. Denn mit dem Wachstum von Expertennetzwerken wird der Zugang zu Experten, der früher nur über die Beratungen möglich war, deutlich vereinfacht und die Kunden können diese gezielt ansprechen. Unternehmen haben in den letzten Jahren weiter an der Professionalisierung der Einkaufsabteilungen gearbeitet. Das übt Druck auf die Beratungen aus, denn diese müssen bei Ausschreibungen klar ihre Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten, um für das Projekt in Frage zu kommen. Ohne ein klares und auf den Kunden zugeschnittenes Angebot werden die Einkaufsabteilungen die jeweilige Beratung nicht weiter berücksichtigen und nur die für das Projekt spezialisierten Kandidaten weiter betrachten.

Digitalisierung ist das K.O. Kriterium

Die vorangegangenen Veränderungen sind allesamt wichtige Voraussetzungen für den Erfolg eines Beratungsunternehmens. Allerdings wird die Digitalisierung des Unternehmens maßgeblich bestimmen, ob es langfristig wettbewerbsfähig bleiben kann. Grund dafür ist, dass die Digitalisierung in jeder Industrie und in jedem Unternehmen stark vorangetrieben werden muss, um nicht von den Wettbewerbern abgehängt zu werden. Dazu ist vor allem Kompetenz in den neuesten Technologien und Methoden gefragt. Um sich als Unternehmen diese schnellstmöglich anzueignen und die richtigen aus der Vielzahl der Optionen auszuwählen, werden viele Unternehmen den Rat der Berater suchen.

Für die Unternehmensberatungen heißt dies vor Allem eines: Aneignung neuer Kompetenzen. Das fängt mit Wissen zu den verschiedenen Tools und Softwareoptionen an, denn auf Nachfrage des Kunden müssen Berater die Wahl der Software und Tools begründen können. Des Weiteren sind neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Augmented Reality (AR) oder das Internet of Things (IoT) wichtige Faktoren für den zukünftigen Unternehmensalltag und Kompetenzen zu diesen müssen aufgebaut werden.

Mit der Digitalisierung eines Unternehmens werden auch Datenanforderungen und -analysen wichtiger. Während datenbasierte Entscheidungsprozesse oftmals bereits zum Alltag gehören, wird das ganze Potenzial der Daten nur selten genutzt. Berater müssen genügend Kompetenz aufweisen, diese Nuancen zu verstehen und das Potenzial voll ausschöpfen zu können. Weiterhin werden Services wie digitale Transformation, Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und Industrie 4.0 zum Standard der Projekte im digitalen Zeitalter gehören. In diesen Bereichen gilt es sich vor allem durch Expertenwissen hervorzuheben, um gegenüber der Konkurrenz zu bestehen.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass in der Unternehmensberatungsbranche bis 2025 eine deutliche Weiterentwicklung stattfinden wird und muss, um mit der zunehmend digitalen Welt schritthalten zu können und dem Kunden weiterhin relevante Ratschläge und Empfehlungen mitgeben zu können. Die größten Veränderungen werden sein, dass weniger Zeit vor Ort beim Kunden verbracht wird, getreu dem Motto: so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Dazu kommt die Entwicklung zu kürzeren Umsetzungszyklen von Strategien, wobei die Beratungsleistung vermehrt über Plattformen ausgeschrieben werden. Die steigende Komplexität über alle Branchen hinweg führt außerdem dazu, dass auch die Consultingfirmen spezialisiertes Expertenwissen aufbauen, um diese Komplexität besser handhaben zu können.

Letztendlich geht es aus Sicht der Unternehmensberatungen darum, sich weiterzuentwickeln. Unternehmen bezahlen Berater, um Probleme zu lösen und Werte zu schaffen. Das kann in konkreten Krisensituationen sein, aber vor allem auch bei einer Neuausrichtung auf zukünftige Entwicklungen zum Beispiel durch Wachstumsprogramme. Auch wenn viele Unternehmen weiter mit der Digitalisierung zu kämpfen haben, gilt es dennoch neue Trends zu identifizieren, um den Kunden einen Mehrwert zu bieten, den andere Wettbewerber nicht bieten können. Solche Informationen, die durch Marktstudien und Erfahrungen aus einer Vielzahl an Projekten gewonnen werden, bleiben weiterhin ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells Unternehmensberatung und können einen Wettbewerbsvorteil bedeuten.

Wichtigster Trend in den nächsten Jahren ist und bleibt allerdings die Digitalisierung, die in der Wirtschaft allgegenwärtig ist und auch den Unternehmensberatungen nicht erspart bleibt. Sowohl interne Prozesse als auch die Projektarbeit müssen darauf angepasst werden, um den langfristigen Erfolg zu ermöglichen. Unternehmensberatungen haben in diesem Kontext die Chance als Blaupause für Digitalisierung und Agilität zu dienen. Dabei werden vor allem einige spezialisierte Digitalisierungsberatungen signifikante Effizienzsteigerungen und Wachstumsmöglichkeiten für die Kunden schaffen, da Digitalisierung teil deren Unternehmenskultur und DNA ist.

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Markus Fost, MBA, ist Experte für E-Commerce, Online Geschäftsmodelle und Digitale Transformation mit einer breiten Erfahrung in den Feldern Strategie, Organisation, Corporate Finance und der operativen Restrukturierung.

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Markus Fost

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