Das im Rahmen der „Verpackungsmission“ von Amazon ins Leben gerufene Leben gerufene Frustration-Free-Packaging (FFP) Programm ermöglicht die Einstufung von Produktverpackungen in drei verschiedene Zertifizierungslevel mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Während das höchste Level „Frustration-Free-Packing (FFP)“ (Tier 1) das Ziel verfolgt, Kundenerlebnis maßgeblich zu steigern und gleichzeitig Nachhaltigkeit sicherzustellen, fokussiert sich die Zertifizierungsstufe „Ship-in-own-container (SIOC)“ (Tier 2) auf die Reduktion von Abfall. Der zweite Beitrag der zweiteiligen Blogreihe zu „Amazon Frustration-Free-Packaging“ geht auf Zertifizierungsanforderungen ein und erläutert Schritte zur Implementierung der Zertifizierungen bei Herstellern.

Zertifizierungsanforderungen von Amazon

Die Anforderungen von Amazon zur Zertifizierung von Produktverpackungen sind umfangreich und richten sich nach den jeweiligen Zertifizierungsstufen. Sie umfassen unter anderem Angaben zum Aufbau der Verpackung, Umgang mit gefährlichen Produkten und dem zu verwendenden Material.

Für alle Zertifizierungsstufen (Tier 1 bis Tier 3) schreibt Amazon vor, dass Produktverpackungen stets sechseckig und rechteckig sein müssen. Ziel ist es, Pakete möglichst einfach stapeln und im Paketzustellnetz transportieren zu können. Alle Paketformen müssen zudem durch die ISTA 6-Amazon.com Testmethode validiert werden, bevor sie zum Einsatz kommen dürfen, und es muss sichergestellt werden, dass alle offenen Kanten ausreichend versiegelt sind. Stringent ist Amazon ebenfalls in den Vorgaben zu den Mindestmaßen. Zertifizierungen von Verpackungen nach Tier 1 (FFP) oder Tier 2 (SIOC) müssen mindestens 203,2 mm lang, 119,9 mm breit und 9,5 mm hoch sein. Kleinere Produktverpackungen können nur auf Basis von Tier 3 (PFP) zertifiziert werden, da sie zum Schutz des Produktes einen Umkarton von Amazon erfordern.

Während die eben genannten Anforderungen den Fokus auf ein leichteres Handling von Paketen im Amazon Fulfillment Center abzielen, möchte Amazon aber auch ein positives Kundenerlebnis sicherstellen. Daher müssen sich nach Tier 1 (FFP) zertifizierte Produktverpackungen innerhalb von 120 Sekunden vollständig öffnen lassen – und dies bei nur minimalem Einsatz von Hilfsmitteln wie Schere oder Kartonschneider.

Abbildung 1: Zertifizierungsanforderungen Teil 1

Eine weitere Anforderung an alle Zertifizierungsstufen ist die eindeutige Verpackungskennzeichnung und Etikettierung auf dem Paket mit allen erforderlichen Handlungshinweisen. Produkte, die als gefährlich eingestuft werden (HAZMAT) können generell nur auf Basis von Tier 3 (PFP) zertifiziert werden, da hier die Anwendung von zusätzlichem Füllmaterial und eines Umkartons zum Schutz möglich sind. Zur Reduktion von Verpackungsabfall setzt Amazon voraus, dass Tier 1 (FFP) zertifizierte Verpackungen ein Verhältnis von Produkt zu Verpackung von mindestens 30% aufweisen. Ebenfalls zu beachten ist die Anwendung von ausschließlich wiederverwertbaren Materialien, wozu Wellpappe und andere Materialien auf Papierbasis zählen sowie spezifische recycelbare Kunststoffkomponenten.

Abbildung 1: Zertifizierungsanforderungen Teil 2

Amazon hat im Rahmen seiner „Verpackungsmission“ verschiedene Grundsätze festgelegt. Zum einen muss die Verpackung so designt sein, dass keine zusätzliche Umverpackung und damit auch kein Vorbereitungsaufwand im Amazon-Fulfillment-Center erforderlich sind. Gleichzeitig muss gewährleistet werden, dass die Verpackung während der gesamten Lieferkette ausreichend Schutz für das Produkt vor Beschädigungen bietet. Jegliches Verpackungsmaterial muss recycelbar sein, um dem ökologischen Fußabdruck zu senden.

Abbildung 3: Grundsätze der Verpackungsmission von Amazon

Verknüpft man nun die Grundsätze der Verpackungsmission von Amazon mit den Anforderungen and die Zertifizierungsstufen, wird deutlich, dass nur die Tier 1 (FFP) Stufe alle vier Grundsätze erfüllt und sich Tier 2 (SIOC) auf den Produktschutz und die Abfallreduzierung konzentriert.

Abbildung 4: Zusammenfassung der Zertifizierungsanforderungen

Implementierungsschritte für die Zertifizierung

Mit dem Anspruch das kundenzentrierteste Unternehmen der Welt zu sein, überwacht Amazon kontinuierlich Schäden an Produkten zum Schutz einer positiven Kundenerfahrung. Dies spiegelt sich auch in der Komplexität und dem Anspruchslevel an die Zertifizierung von Produktverpackungen wider.

Ausgangslage des Zertifizierungsprozesses sind Artikel bzw. Verpackungen, die bislang noch ungeprüft sind. Hersteller müssen das Verpackungsmaterial in von Amazon akkreditierten Testlaboren nach dem ISTA-6-Amazon.com Testverfahren zertifizieren lassen. Das Testprogramm umfasst Vibrations- und Schocktests zur Simulation von Vibrationen und Schocks auf Ladeflächen verschiedener Transportmittel wie Eisenbahnen, Lastwagen, Schiffe oder Flugzeuge. Fall- und Kipptests sollen vertikalen Stoßbelastungen beim Transport und Tragen der Pakete simulieren. Belastungen von oben bei Transport oder Lagerung werden mit Druckversuchen geprüft und Klimatests dienen der Simulation von klimatischen Auswirkungen auf das Material.

Produktverpackungen, die alle Tests bestehen und damit ein positives Zertifizierungszeugnis erhalten, können mit den zugehörigen ASINs (Amazon Standard Identification Number) über das Vendor Central hinterlegt werden und unterliegen ab sofort keinerlei Chargebacks mehr. Hersteller bzw. Lieferanten können sich bei Nicht-Bestehen der Testverfahren auch Test- und Designunterstützung über das „Amazon Packaging Support and Supplier Network (APASS) holen.

Abbildung 5: Zusammenfassung der Zertifizierungsanforderungen

Mit erfolgreicher Zertifizierung ist der Prozess allerdings nicht abgeschlossen. Amazon überwacht kontinuierlich, ob es zu Produktbeschädigungen kommt, um den Kundenschutz zu wahren und kann die Anwendung einer neuen Verpackung von Herstellern bzw. Lieferanten verlangen.

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Markus Fost, MBA, ist Experte für E-Commerce, Online Geschäftsmodelle und Digitale Transformation mit einer breiten Erfahrung in den Feldern Strategie, Organisation, Corporate Finance und der operativen Restrukturierung.

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Mehr als 4,05 Mrd. Sendungen wurden in Deutschland im Jahr 2020 versandt. Mit steigendem Paketaufkommen steigt aber auch die Flut an Verpackungsmaterial. Ein hoher Anteil an Sendungen geht auf den E-Commerce-Giganten Amazon zurück. Amazon hat sich der Herausforderung zur Reduktion von Verpackungsmaterial gestellt und das „Frustration-Free-Packaging“-Programm ins Leben gerufen zur Verbesserung des Kundenerlebnisses und zur Verringerung der Umweltauswirkungen des Konsums. Im ersten Teil der zweiteiligen Blogreihe zu „Amazon Frustration-Free-Packaging“ erläutern wir den Ursprung und die Konzeption des Programms. Der zweite Beitrag beschäftigt sich mit Anforderungen an Hersteller zum Erhalt von Verpackungszertifizierungen und beschreibt einen dreistufigen Umsetzungsansatz.

Es lebe der Versandhandel – und die Verpackungsmaterialflut

Es lebe der Versandhandel mag sich einer denken, der die Entwicklungen bei Paketzustellern in letzter Zeit beobachtet hat. Bereits vor der Corona-Pandemie hat das Paketaufkommen durch den anhaltenden E-Commerce-Trend hohes Wachstum verzeichnet. Mit den staatlich verordneten Lockdowns während der Corona-Pandemie wurde dieser Trend noch weiter beschleunigt. Mit steigendem Paketaufkommen steigt aber auch die Flut an Verpackungsmaterial, das für die Sendungen genutzt wird. Umverpackung und Füllmaterial sind notwendig, um das eigentliche Produkt zu schützen bevor es den Endkunden erreicht. Wie rasant das Sendungsaufkommen gewachsen ist, wird deutlich an den Zahlen des Bundesverbands Paket und Expresslogistik e.V. (Biek).

Abbildung 1: Prognose des Sendungsaufkommens bis ins Jahr 2025

Im Jahr 2020 wurden 4,05 Mrd. Sendungen innerhalb des nationalen Paketmarktes versandt und zugestellt. Dies entsprecht einem Wachstum von 10,9% und erreicht damit einen neuen Höchstwert nach lediglich 3,8% Wachstum im Jahr 2019. Betrachtet man lediglich den B2C-Paketversand, so liegt die Wachstumsrate für das Jahr 2020 sogar bei 18,9% (Vorjahr: 8,3%), was auf das stark wachsende E-Commerce-Geschäft zurückzuführen ist. Mit diesen Auswirkungen hat auch der Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V. seine jährliche Wachstumsprognose von ursprünglich 4% auf 7% pro Jahr nach oben korrigiert und prognostiziert ein Sendungsaufkommen von 5,68 Mrd. Sendungen im Jahr 2025.

Auch wenn E-Commerce und der Versandhandel eine „Convenience“-Dienstleistung ist und in Zeiten der Corona-Pandemie viele Bürgerinnen und Bürger mit Produkten versorgt hat, die aufgrund von Schließungen des stationären Handels nicht verfügbar waren, haben die unzähligen Paketsendungen auch eine Schattenseite: Sinkende Umsätze im stationären Einzelhandel, lange Transportwege von Produkten und damit verbundene CO2-Emissionen sowie die Verwendung von Verpackungsmaterial. Dem Thema Verpackungsmaterial im Kontext von E-Commerce widmen wir die nachfolgenden Ausführungen und gehen dabei auf das „Frustration-Free Packaging“-Programm von Amazon ein.

Der Ursprung von „Frustration-Free-Packaging“ von Amazon

Amazon ist unangefochten ein Gigant auf dem weltweiten E-Commerce-Markt. Die immer weiter steigenden Umsatzzahlen zeigen das große Interesse von Konsumenten die Services von Amazon zu nutzen und sich kontinuierlich beliefern zu lassen. Daher geht ein hoher Anteil des Sendungsaufkommens auf Amazon zurück. Programme wie Amazon Prime begünstigen dabei hohe Bestellfrequenzen bei immer kleiner werdenden Bestellvolumina.

Abbildung 2: Das Amazon-Ökosystem

Amazon ist aber auch als Innovationstreiber bekannt und hat sich längst vom reinen Online-Händler zu einem Ökosystem an Services entwickelt. Mit dem Ziel, das kundenzentrierteste Unternehmen der Welt zu sein, hat Amazon das Feedback der Kunden angenommen und sich der Herausforderung zur Reduktion von Verpackungsmaterial gestellt. Entstanden ist das „Frustration-Free-Packaging“-Programm mit einer Reihe von Grundprinzipien, Testmethoden und Zertifizierungsprozessen zur Verbesserung des Kundenerlebnisses, zur Verringerung der Umweltauswirkungen des Konsums, zur Senkung der Kosten in der Lieferkette und zur Erschließung zusätzlicher Auswahlmöglichkeiten.

Abbildung 3: Grundsätze der Verpackungsmission von Amazon

Die von Amazon festgeschriebene Verpackungsmission richtet sich an Hersteller, die auf Amazon verkaufen und umfasst vier Grundsätze. Zum einen muss die Verpackung so designt sein, dass keine zusätzliche Umverpackung und damit auch kein Vorbereitungsaufwand im Amazon-Fulfillment-Center erforderlich sind. Gleichzeitig muss gewährleistet werden, dass die Verpackung während der gesamten Lieferkette ausreichend Schutz für das Produkt vor Beschädigungen bietet. Jegliches Verpackungsmaterial muss recycelbar sein, um dem ökologischen Fußabdruck zu senden. Da auch das Thema „Customer Experience“ seit jeher ein zentraler Wert für Amazon ist, muss die Verpackung leicht für die Kunden zu öffnen sein.

Zertifizierungslevel und Mehrwerte

Zur Umsetzung der „Verpackungsmission“ von Amazon wurden drei verschiedene Zertifizierungslevel mit unterschiedlichen Zielsetzungen entwickelt. Das höchste Level „Frustration-Free-Packing (FFP)“ (Tier 1) verfolgt das Ziel, das Kundenerlebnis maßgeblich zu steigern und gleichzeitig Nachhaltigkeit sicherzustellen. Produktverpackungen dieser Stufe benötigen keine zusätzliche Umverpackung von Amazon für die Auslieferung an Konsumenten. Alle Verpackungsmaterialien sind wiederverwertbar, nur das notwendigste an Material ist erforderlich und die Verpackung lässt sich leicht vom Kunden öffnen.

Verpackungen in der Zertifizierungsstufe „Ship-in-own-container (SIOC)“ (Tier 2) verfolgen das Ziel der Reduktion von Abfall. Maßgeblich ist, dass von Amazon kein zusätzliches Versandmaterial erforderlich ist und damit auch die Versandvorbereitung bei Amazon stark reduziert wird. Die dritte Zertifizierungsstufe „Prep-Free-Packaging (PFP)“ (Tier 3) ist lediglich darauf ausgerichtet, dass die Versandvorbereitung durch Amazon minimiert wird.

Abbildung 4: Zertifizierungslevel und Zielsetzungen von Amazon

Seit dem 1. Oktober, 2019 müssen alle Artikel mit Produktverpackungen mit Abmessungen von mehr als 45,5 cm x 34,0 cm x 26,5 cm oder mit einem Gewicht von mehr als 12,3 kg als Tier 1 (Frustration-Free-Packaging) oder Tier 2 (Ship-in-own-container) zertifiziert werden. Alle in Frage kommenden Produkte, die nicht als Tier 1 (FFP) oder Tier 2 (SIOC) zertifiziert sind, werden mit einer Rücklastschrift (Chargeback) von 1,70 Euro pro eingegangene Einheit im Amazon-Fullfilment-Center belegt. Die Rückbuchungen (Chargebacks) gelten sowohl für Verkäufer als auch für Händler, die Produkte an die Amazon Fulfillment Center liefern. Ausgenommen von den Rücklastschriften sind Produkte, die eine Gefahrenklassifizierung aufweisen sowie Drop-Shipment Artikel, die nicht das Amazon-Fullfilment-Netzwerk nutzen. Pakete kleiner als die Mindestmaße von 20,3 cm x 12,0 cm x 1,0 cm können sich nur für die Tier 3 (PFP)-Zertifizierung qualifizieren und zertifiziert werden, da Amazon Versandverpackungen noch erforderlich sind für diese Pakete.

Abbildung 5: Vorteile der Verpackungszertifizierung bei Amazon

Amazon ist bekannt dafür seine Hersteller für die Nichteinhaltung finanziell zu bestrafen. So auch im Rahmen des „Frustration-Free-Packaging“-Programms, das nur diejenigen begünstigt, die ihre Produkte gemäß der beiden höchsten Zertifizierungsstufen Tier 1 (FFP) und Tier 2 (SIOC) zertifizieren lassen und damit das volle Nutzungspotenzial ausschöpfen. So sind diese Produkte nicht von „Prep Chargebacks“ und „FFP/SIOC Chargebacks“ betroffen. Ergänzend kommt hinzu, dass Einsparungen in Bezug auf Verpackungsmaterial und Transportgeneriert werden – sowohl für Amazon als auch die Hersteller. Schwach ausgeprägt ist die Zertifizierungsstufe Tier 3 (PFP), bei der lediglich „Prep Chargebacks“ ausgeschlossen werden.

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