Digitalisierung der Arbeit – Der Stoff, aus dem Filme sind

Roboter, die immer mehr die Kontrolle übernehmen und die Welt, wie wir sie kennen, umwälzen: Pure Fiktion und der Stoff zahlreicher Hollywood-Blockbuster? Oder ist dieses Szenario durch die Robotic Process Automation (RPA) im Grunde nicht bereits Wirklichkeit?

Unternehmen auf der ganzen Welt beschäftigen sich aktuell mit den disruptiven Veränderungen der weltweiten Wirtschaft und deren Auswirkungen. Der Arbeitsmarkt wird durch völlig neue Dynamiken geformt und dabei immer technischer und immer globaler. Probleme wie der Fachkräftemangel auf der einen Seite treffen auf die Automatisierung von Prozessen auf der anderen. Die Angst, dass die Digitalisierung Tausende von Jobs vernichten wird (einige Schreckensmeldungen in den Medien sprechen von jedem zweiten Job), ist weit verbreitet und in Teilen auch nicht unbegründet. So gehen die Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zwar nicht davon aus, dass durch die Digitalisierung Berufszweige vollständig von der Bildfläche verschwinden werden, doch Berufsgruppen, in denen bereits heute mehr als 60 Prozent aller Tätigkeiten von Computern übernommen werden können, blicken keiner besonders rosigen Zukunft entgegen. Forscher aus Oxford sagten 2017 voraus, dass ein Drittel der Jobs durch künstliche Intelligenz ersetzt werden wird. Die aktuellen Entwicklungen im Bereich RPA, die langsam nicht mehr in den Kinderschuhen steckt und beginnt Tempo aufzunehmen, lassen diese Schätzung sogar noch optimistisch erscheinen. Am größten ist diese Gefahr für das Segment der Fertigungsberufe (mit einer Automatisierbarkeit von mehr als 70 Prozent). Im Bereich der fertigungstechnischen Berufe lassen sich immerhin noch 65 Prozent der Tätigkeiten automatisieren. Alle weiteren Berufssparten können zumindest teilweise aufatmen, denn das gewichtete, durchschnittliche Substituierungspotenzial liegt hier bei unter 50 Prozent. Die andere Seite der Medaille: Die Digitalisierung schafft auch unzählige neue Jobs. Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums sollen es in den nächsten fünf Jahren sogar ganze 58 Millionen sein. Doch wie sehen diese aus, wie können wir uns auf diesen Wandel vorbereiten und wie können wir vor allem aktiv dazu beitragen, dass der Wandel in der Gesellschaft Gewinner anstatt Verlierer hervorbringt?

 

Der Status Quo

Der Wandel der Arbeit ist bereits in vollem Gange. Erkennen können wir das nicht zuletzt daran, dass viele offene Positionen im Technologie-Bereich kaum noch zu besetzen sind und der Arbeitgebermarkt sich zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt hat. Der Fachkräftemangel ist deutlich spürbar und betrifft längst nicht mehr nur MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Kenntnisse der digitalen Welt sind heute immer mehr auch von Betriebswissenschaftlern und kreativen Köpfen gefordert. Geradezu paradox an dem Nachwuchsmangel ist dabei, dass unzählige der neuen Arbeitsplätze sich durch die fortschreitende Automatisierung selbst bedrohen.

 

Der Lauf der Zeit

Wie alle großen Neuerungen vernichtet die Digitalisierung also Arbeitsplätze, sie schafft sie aber auch. Ein Blick zurück zeigt, dass technologische Neuerungen schon immer die Angst im Menschen geweckt haben, ersetzbar zu sein. Man denke etwa an die Erfindung des Barcodes. Allen Unkenrufen zum Trotz gingen die schlimmsten Vorhersagen aber stets daneben und auch heute noch sitzen in allen Supermärkten Kassiererinnen. Was unterscheidet nun aber die heutige Situation von der Angst, die die Gesellschaft bei großen technologischen Veränderungen in der Vergangenheit hatte? Und gibt es überhaupt einen Unterschied, oder handelt es sich schlicht um die ureigene Angst der Menschen vor Neuem?

 

Die besondere Rolle der Digitalisierung

Als das Auto oder der Computer erfunden wurden, konnten den heutigen Strukturen ähnelnde Prozesse beobachtet werden. Die Vernichtung einiger Berufe auf der einen Seite brachte neue Berufe auf der anderen hervor. Doch beschränkte sich die Umwälzung auf einzelne Lebensbereiche und ging langsam und in Teilen kaum merklich von statten, organisationsschwere Bildungseinrichtungen und Arbeitnehmer hatten Zeit, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Die Digitalisierung verändert die Art der Arbeit heute aber so grundlegend, wie es bisher noch nie der Fall war. Die Frage ist heute nicht mehr, ob die Sekretärin den Brief mit der Schreibmaschine oder am Computer tippt. Heute werden ganze Industrien durch Cloud Computing und Data Science neu gestaltet und mit ihnen in ihrem Wesen völlig neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Anforderungen der Arbeitswelt und die Art des Umgangs mit Daten verändern sich so schnell, dass sie in keinem Lehrplan zu finden sind und diese Veränderung betrifft beinahe alle Berufsfelder gleichermaßen.

Herr werden wir dieser Situation nur durch ein Umdenken bei der Aus- und Fortbildung. Bereits in der Schule und Ausbildung müssen die Lehrpläne digitaler werden, wobei sich das Thema Digitalisierung der Bildung allerdings nicht nur auf den Informatikunterricht beschränken sollte. Der Deutschunterricht sollte neben den klassischen Textarten das Schreiben für das Netz und Social Media-Interaktion beinhalten, der Musikunterricht darauf eingehen, was künstliche Intelligenz in der Musik zu leisten vermag. Es geht dabei nicht darum, dass jeder Schüler zum Programmierer werden soll. Vielmehr muss ein für jeden Beruf unerlässliches digitales Verständnis entwickelt werden. Dafür müssen die heutigen Bildungsbeauftragten vielleicht ihre Komfortzone verlassen, doch ist es genau dieses Einlassen auf Neues, dass die Berufswelt von morgen prägt! Gleiches gilt auch für Unternehmen. Die Zeiten, in denen man einen Arbeitnehmer eingestellt hat und dieser daraufhin über Jahre seiner Arbeit nachgegangen ist, sind vorbei. Um dem Fachkräftemangel in Zeiten der Digitalisierung zu begegnen, gilt es eigene Fortbildungsstrukturen aufzubauen und die eigenen Mitarbeiter zu befähigen, heute und in der Zukunft mit den Veränderungen Schritt zu halten.

 

Die Automatisierung von White Collar-Aufgaben

Das Schlagwort Digitalisierung der Arbeit ruft beinahe automatisch Assoziationen von Robotern in Fabrikhallen hervor, wo sie bereits seit Jahren ehemals von Menschen erledigte Aufgaben ausführen. Doch macht die große, durch die Digitalisierung angetriebene Umwälzung nun auch vor den Büros nicht mehr Halt. Schon heute werden dank RPA zeit- und verwaltungsintensive Prozesse automatisch durchgeführt, Alexa beantwortet Recherche-Fragen schneller, als man dazu selbst je in der Lage wäre, und Google Translate übersetzt Texte immer flüssiger. Studien haben sogar eine höhere Treffergenauigkeit bei der Hautkrebsfrüherkennung einer computergestützten Diagnose im Vergleich zu der Diagnose der Ärzte festgestellt.

Verantwortlich sind zwei technische Entwicklungen, die der künstlichen Intelligenz zu enormen Sprüngen verhelfen: „Machine Learning“ und „Deep Learning“. Beim maschinellen Lernen erkennen Computer Gesetzmäßigkeiten, merken sich Anwendungsbeispiele und meistern mit dem Gelernten später auch neue Situationen ohne menschliche Hilfe. Beim „Deep Learning“ erfolgen zahlreiche Berechnungen nacheinander auf unterschiedliche Datenschichten, was nur durch enorme Rechenleistung und riesige Datenmengen („Big Data“) möglich ist. So konnte „Deep Learning“ beispielsweise die Spracherkennungssysteme von Google und Apple wesentlich verbessern.

 

Chancen durch die Automatisierung von Prozessen

Diese Fähigkeiten nicht zu nutzen, wäre töricht. Sie können unseren Arbeitsalltag um so viel produktiver und effizienter gestalten und unsere Fehlerquote massiv reduzieren. Der Computer wird dem Arzt eine Diagnose vorschlagen, dieser muss sie nur noch validieren und bestätigen. Der Übersetzer kann sich die Vorarbeit sparen und langwierige Recherchen werden beschleunigt. Die Personalabteilungen müssen nicht mehr stapelweise Bewerbungsunterlagen sichten, die Vorauswahl übernimmt der Computer für sie. Die Personaler entscheiden dann, welcher Kandidat aus der getroffenen Vorauswahl der neue Kollege werden soll. KI könnte Protokolle schreiben, repetitiven Tätigkeiten nachgehen, wie etwa dem Austüfteln von Lieferketten oder der Zuteilung von Schreibtischen und Inventar.

Inzwischen sind vor allem im Bereich der Datenauswertung viele Technologien soweit, dass sie mit kleinem Aufwand implementiert werden können und nur eine kurze Schulung der Mitarbeiter nötig ist. Gerade für Unternehmen, die das Thema Digitalisierung erst spät angegangen sind, ergeben sich hier ungeahnte Möglichkeiten, nicht abgehängt zu werden und die sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen. Durch eine strategische und planvolle Vorgehensweise, das Setzen von Zielen und eine klare Mitarbeiterkommunikation, können Vorbehalte in den eigenen Reihen ausgeräumt und das volle digitale Potenzial des Unternehmens entfaltet werden.

Eine der aktuellsten Automatisierungstechnologien für klassische White Collar-Tätigkeiten ist die Robotic Process Automation. Bei diesem Software-gestützten Ansatz übernehmen Softwareprogramme Aufgaben, die einem festen Regelwerk und vorgegebenen, sich wiederholenden Arbeitsschritten folgen. Klassische Einsatzgebiete sind HR, Buchhaltung oder Kundendienst. Bereiche also, die für jedes Unternehmen relevant sind. Die Vorteile der Technologie sind enorm: Die Prozesse werden durch sie nicht nur schneller ausgeführt, die Roboter machen zudem keine Fehler und können Tag und Nacht arbeiten. Sie sind im Grunde an der Benutzeroberfläche angesiedelt und imitieren die Tätigkeiten des Menschen, dessen Eingreifen nur selten notwendig ist (beispielsweise bei Fehlern im Skript, die der Roboter nicht zu erkennen vermag). Was die RPA simplen Macros so überlegen macht? Die Roboter lösen das bisher vorhandene Schnittstellenproblem, da sie Prozesse und Prozessschritte völlig unabhängig voneinander verbinden. Sie sind somit in der Lage, Positionen komplett zu ersetzen und dadurch Arbeitskraft für intellektuell anspruchsvollere, nicht automatisierbare Aufgaben freizusetzen. Beispielsweise für die Entwicklung von noch fortschrittlicheren Robotern, die unseren Arbeitsalltag noch weiter erleichtern.

 

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Frau Weimar ist als Referentin PR & Marketing / Leitung FOSTEC Research bei FOSTEC & Company tätig.

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Katja Weimar

Referentin PR & Marketing // Leitung FOSTEC Research
Frau Weimar ist als Referentin PR & Marketing / Leitung FOSTEC Research bei FOSTEC & Company tätig.

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