ChatGPT als Werbeplattform: Wie AI Retail Media den E-Commerce verändert 02.02.2026 | von Christian Dobler Mehr erfahren FOSTEC & CompanyNewsChatGPT als Werbeplattform: Wie AI Retail Media den E-Commerce verändert ChatGPT wird zur Werbeplattform: Was OpenAIs Schritt strategisch bedeutet ChatGPT öffnet sich für Werbung – und verändert damit die Art und Weise, wie Kunden Produkte entdecken und kaufen. Für Händler bedeutet das: neue Chancen, neue Herausforderungen. Doch was passiert konkret? OpenAI läutet die nächste Entwicklungsstufe von ChatGPT ein: Werbung kommt – allerdings nicht für alle. Konkret soll OpenAI bei den Tarifen Free und Go künftig Anzeigen ausspielen, während Plus, Pro, Business und Enterprise ausdrücklich werbefrei bleiben. Das Werbeformat ist dabei bewusst so gestaltet, dass es das Kernversprechen von ChatGPT nicht direkt angreift: Anzeigen sollen am Ende der Antworten erscheinen, klar gekennzeichnet sein („Sponsored“) und vom eigentlichen Antwortinhalt getrennt bleiben. Zusätzlich gelten Schutzmechanismen: unter 18 Jahren keine Werbung, außerdem Restriktionen für sensible Themenfelder wie Gesundheit oder Politik. Hinter diesem Schritt steckt weniger ein kurzfristiger Monetarisierungstest – sondern ein struktureller Hebel. OpenAI muss massiv in Computer-, GPU- und Rechenzentrumskapazitäten investieren, um die wachsende Nutzung und die nächsten Modellgenerationen zu stemmen. Werbung wird damit zur zweiten großen Erlössäule neben Subscriptions: Einnahmequellen diversifizieren, Free-Zugänge finanzieren, Infrastrukturkosten abfedern. Und: Der Zeitpunkt ist nicht zufällig. ChatGPT entwickelt sich längst zu einem Commerce-Interface – und beginnt messbar Traffic in Richtung Online-Händler zu schicken. Abbildung 1 zeigt eindrücklich, wie stark diese Weiterleitungen innerhalb eines Jahres gewachsen sind. Gleichzeitig wird sichtbar, dass bislang vor allem große Plattformen (insb. Amazon) überproportional von diesen Redirects profitieren. Genau hier entstehen neue strategische Spannungsfelder im Handel: Wird ChatGPT zu einem weiteren Gatekeeper, der Sichtbarkeit verteilt – oder eröffnet es Marken perspektivisch die Chance auf direktere Kundenansprache, Brand Loyalty und eine neue Form der Visibility-Sicherung jenseits klassischer Search- und Marketplace-Logiken? Abbildung 1: Entwicklung und Verteilung von ChatGPT-Weiterleitungen zu Online-Händlern (Okt. 2024 vs. Okt. 2025) (Quelle: FOSTEC Research, Similarweb) Wie könnte Werbung in ChatGPT konkret aussehen? Wie Werbung in ChatGPT künftig konkret aussehen wird, ist derzeit noch nicht abschließend bestätigt. OpenAI hat zwar kommuniziert, dass Anzeigen klar gekennzeichnet und vom eigentlichen Antwortinhalt getrennt integriert werden sollen – wie genau diese Werbeflächen aber gestaltet sind, welche Interaktionslogiken dahinterstehen und welche Formate zum Start tatsächlich ausgerollt werden, bleibt offen. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf mögliche Umsetzungsmodelle, die aktuell in der Diskussion sind und bereits heute aus anderen Plattform-Logiken bekannt sind. Im Kern lassen sich fünf denkbare Werbeformate unterscheiden: Kontextbezogene Anzeigen: dezente, inhaltlich passende Einblendungen innerhalb der textlichen Antwort („Sponsored“) Eingebettete Anzeigen: klassische Sponsored Links vor oder nach der Antwort – ähnlich zu Search-Ads oder Copilot-Anzeigen Gesponserte Sitzung: Nutzer erhalten Zusatzfunktionen (z. B. mehr Tokens/Deep Research) im Austausch gegen das Ansehen von Werbung Karussell-Formate: visuelle Produkt- oder Händlerkacheln, besonders relevant für lokale Anfragen und E-Commerce-Use-Cases Premium-Feature-Sitzung: Werbung als „Unlock-Mechanik“, um Features aus höheren Plänen temporär freizuschalten Wie das visuell wirken könnte, zeigt Abbildung 2 exemplarisch: Die Antwort bleibt unverändert in ihrer eigentlichen Logik, während darunter ein separater Sponsored-Block (mit Titel, Beschreibung und Call-to-Action) erscheint. Genau diese Trennung ist strategisch zentral – und gleichzeitig das Spannungsfeld: Je stärker ChatGPT zur Interface-Schicht für Kaufentscheidungen wird, desto wertvoller wird die Frage, wer unter der Antwort erscheint – und wer eben nicht. Abbildung 2: Beispielhafte Darstellung von Sponsored Content in ChatGPT (Quelle: OpenAI) Auswirkungen für Händler und Hersteller im E-Commerce Für Händler und Hersteller ist die Einführung von Werbung in ChatGPT mehr als ein neues Ad-Produkt – sie markiert den Übergang zu einem neuen Mechanismus der Sichtbarkeit im E-Commerce. Denn ChatGPT ist nicht nur ein zusätzlicher Traffic-Kanal, sondern zunehmend eine Entscheidungsinstanz: Nutzer lassen sich beraten, vergleichen Alternativen, priorisieren Kriterien und bauen sich im Chat eine Shortlist – bevor sie überhaupt eine klassische Suchmaschine öffnen oder einen Marketplace besuchen. Damit verschiebt sich ein zentraler Teil der Wertschöpfung im Funnel: Discovery undx Consideration werden dialogbasiert, und Sichtbarkeit entsteht nicht mehr primär über Keyword-Rankings, sondern über Share of Recommendation (Anteil der Empfehlungen, die eine Marke im Chat erhält). Dass dieser Shift nicht nur ein UX-Trend ist, sondern zunehmend performance-relevant wird, zeigt Abbildung 3: Retail-Visits aus KI-Suchanfragen steigen massiv an, während KI-vermittelter Traffic bereits nahezu das Conversion-Niveau klassischer Kanäle erreicht. Ergänzend sprechen die Qualitätsindikatoren – höhere Verweildauer, mehr Seitenaufrufe und geringere Absprungraten – für eine überdurchschnittliche Nutzerintention. Abbildung 3: KI-vermittelter Retail-Traffic wächst stark und erreicht nahezu das Conversion-Niveau klassischer Kanäle (Quelle: Adobe) Gerade für Marken birgt das Chancen und Risiken zugleich. Einerseits kann ChatGPT zu einer Art „digitalem Category Advisor“ werden, der Kaufentscheidungen massiv vorprägt – was den Wettbewerb um Top-Platzierungen weiter verschärft und eine neue Gatekeeper-Rolle schafft. Andererseits ergibt sich die Chance, sich aus der reinen Plattform-Abhängigkeit zu lösen: Wenn ChatGPT künftig nicht nur auf Amazon & Co. verweist, sondern vermehrt direkte Brand-Touchpoints integriert, entstehen neue Möglichkeiten für Direct Traffic, Brand Loyalty und höhere Margen durch die Umgehung von Marketplace-Fees. Operativ verschärft das die Anforderungen: Wer in ChatGPT „empfohlen“ werden will, muss maschinenlesbar überzeugend sein – mit sauberen Produktdaten, klarer Value Proposition, konsistenten Claims, starken Reviews sowie hochwertigem Vergleichs-Content (FAQs, Buying Guides, „Best for“-Argumentation). Zusätzlich wird Performance-Messung zur neuen Disziplin: Da Beratung und Conversion in getrennten Umgebungen stattfinden, werden Attribution, Tracking und Incrementality-Tests entscheidend, um ChatGPT als Kanal sauber zu steuern – und nicht als Black Box zu akzeptieren (Attribution sagt, wo ein Kauf gemessen wurde. Incrementality sagt, ob der Kauf wegen der Maßnahme passiert ist.). Monetarisierung & strategische Implikationen: Was Unternehmen jetzt tun sollten Mit der Einführung von Werbung entsteht nicht nur ein neuer Kanal – es entsteht ein neues Spielfeld für Monetarisierung im Commerce. Perspektivisch ist davon auszugehen, dass ChatGPT sich ähnlich wie Google und Amazon in Richtung eines vollwertigen AI-Advertising-Ökosystems entwickelt: von Sponsored Placements bis hin zu produktnahen Karussells, Partnerintegrationen oder sogar affiliate-basierten Abrechnungslogiken. Für Händler und Hersteller heißt das: Budgets werden sich mittelfristig neu verteilen – und zwar dorthin, wo Kaufentscheidungen vorbereitet werden. Wer im Dialog früh sichtbar ist, beeinflusst nicht nur Klicks, sondern die gesamte Shortlist – und damit den Abverkauf. Entscheidend ist dabei die Frage, wie sich ChatGPT als „AI-Layer“ zwischen Kunde und Shop positioniert: Wird es ein weiterer Gatekeeper, der Sichtbarkeit bepreist? Oder eröffnet es Marken den Weg zu einer direkteren Kundenbeziehung – inklusive First-Party-Daten, CRM-Aufbau und nachhaltiger Brand Loyalty? In beiden Fällen gilt: Die Gewinner werden jene sein, die früh lernen, wie man in diesem System auffindbar und bevorzugt wird. Für Unternehmen empfiehlt sich daher ein strukturierter Vorbereitungs- und Pilotansatz: AI Discovery Readiness schaffen: Produktdaten, Attribute, Content-Struktur, FAQ-/Guide-Logik, Trust-Signale Intent-Cluster priorisieren: Für welche Use Cases (Probleme, Kategorien, Kaufanlässe) soll die Marke „Top of Mind“ werden? Pilotierung & KPI-System: Tracking-Setup, Landingpages, Promo-Codes, Inkrementalitätslogik statt reiner Last-Click-Denke Skalierung: Budgetsteuerung, Targeting, Sortiment, Internationalisierung – und Integration ins bestehende Retail-Media-Setup Der Kernpunkt: ChatGPT wird vom Informations- zum Transaktions-Interface. Wer sich jetzt vorbereitet, kann nicht nur Sichtbarkeit sichern – sondern sich früh in einem neuen Wachstums- und Effizienzkanal positionieren, bevor sich dieser Markt konsolidiert. Jedoch ist Werbung in ChatGPT ist nur der erste Schritt: Mittelfristig werden KI-Assistenten und Agenten nicht nur beraten, sondern aktiv Käufe vorbereiten – bis hin zur (teil-)autonomen Bestellung. Unternehmen müssen sich daher nicht nur auf neue Ad-Formate, sondern auf eine neue Form des digitalen Vertriebs im KI-Zeitalter vorbereiten. Wie KI-Agenten den digitalen Vertrieb künftig fundamental verändern werden, zeigen wir in unserem neusten Blog-Post zum Thema Agentic Commerce. Ihre Anfrage an FOSTEC & Company